Hollywood-Klischees über Glücksspiel – und wie es wirklich ist
1. Kurzes Schach
Zwei Charaktere spielen Schach. Grundsätzlich wird das „Spiel der Könige“ dazu genutzt, um als sinnvolles Transportvehikel für sehr tiefgreifende Gespräche zu dienen – es werden Pläne ent- und verworfen, Lebensentscheidungen diskutiert, tiefgehende philosophische Fragen durchgespielt. Nie geht es um oberflächliche Themen.
Da die Filmzeit begrenzt ist, dauern diese Partien aber grundsätzlich nur eine minimale Anzahl von Zügen – und oft enden sie damit, dass einer der Charaktere, wie um sein Statement aus dem Gespräch zu untermauern, den anderen unvermittelt schachmatt setzt.
Fun Fact: Oft haben die Figur-Aufstellungen sowie die Züge nicht mal entfernt mit den echten Schach-Regeln zu tun.
2. Grundsätzliches Bull‘s Eye
Tatsächlich hat das Bull’s Eye beim Darts eine Wertigkeit von 50 Punkten. Aber je nach Spiel sind viele Punkte gar nicht das Ziel, sondern konkrete Werte. Selbst wenn es um Höchstwerte geht, ist das kleine Segment des inneren Rings auf der Zwölf-Uhr-Position mehr wert. Landet der Pfeil dort, gibt es 60 Punkte – sieht bloß nicht so schön aus wie „voll ins Schwarze“.
3. Ablenken erwünscht
Im Film verhilft ihm das meist zum gewünschten Sieg – oft gegen überstarke Gegner. Im echten Leben würden solche Spieler ziemlich schnell vom Kartentisch komplimentiert werden, weil sie versuchen, ihre Gegner zu beeinträchtigen.
4. Üble 70s-Style-Höhlen
Überraschend wenig Kreativität beweist Hollywood auch immer wieder, wenn eine Sportwette platziert werden soll. Oft sieht es im Wettbüro so aus, als sei der Kalender (und der Putzplan) irgendwann in den 1970ern angehalten worden – dicker Teppich, Tabakrauchschwaden, viele holzfurnierte Röhrenfernseher an den Wänden inklusive. Kaum anders wirken auch die Betreiber, gern ältere Herren mit Zigarrenstumpf im Mundwinkel, die in mehrere Telefone (für maximales Flair mit Wählscheibe) gleichzeitig sprechen. Ganz wichtig: Alles muss auf den Zuschauer irgendwie nach Halb- oder Unterwelt wirken.
Auch das ist fernab der Realität. Schon deshalb, weil Sportwetten heute fast ausschließlich im Internet ablaufen. Außerdem unterliegen etablierte und seriöse Wettanbieter strengen Qualitätskontrollen von staatlicher wie privatwirtschaftlicher Seite. Und nicht zuletzt läuft es dort deshalb auch rechtlich vollkommen sauber ab.
5. Frust, Alkohol, ab ins Casino
Entweder ist er zu diesem Zeitpunkt schon auf bestem Wege, betrunken zu sein oder er macht sich auf an die Bar, um es möglichst schnell zu werden – und praktisch immer landet er im Zuge dessen im Casino. Oft an den Automaten, manchmal auch an einem einsamen Roulette-Tisch. Und natürlich lässt das Personal ihn, egal wie betrunken er auch schon ist, seine Einsätze machen.
In der Realität haben die allermeisten Casinos, nicht nur in Vegas, strenge Anti-Alkohol-Vorschriften. Sobald ein Spieler den Eindruck erweckt, dass er „zu viel intus“ hat, kann er sich sicher sein, weder an die Tische noch die Automaten gelassen zu werden. Je nach Zustand wird man ihn auch der Räume verweisen.
6. Nur in Las Vegas wird gespielt
Dass auf der anderen Seite der USA mit Atlantic City eine weitere wichtige Glücksspielmetropole wartet, wird ebenso ignoriert wie die asiatische Spieler-Metropole Macao und jede andere große Spielbank auf dem Planeten. Hierzu bietet es sich an eine Rundreise durch die verschiedensten Städte zu starten und es selbst mit erleben zu können.
7. Falschspiel? Fausthiebe!
Dass für Hollywood, wenn es das Drehbuch verlangt, die gesamte Glücksspielbranche in den Händen der Mafia liegt, ist ein Klischee für sich. Aber generell geht es für die Traumfabrik in den Casinos ganz gern mal mafiös zur Sache.
Was meistens richtig dargestellt wird, ist, dass die Betreiber alles jederzeit per Video gut im Blick haben. Dann aber wird es wieder Hollywood-mäßig: Schon, dass der Besitzer höchstselbst den ganzen Tag auf die Bildschirme schaut, ist falsch. Und sobald jemand zu viel gewinnt, erwiesenermaßen falschspielt oder auch nur seine Nase nicht dem Casinobetreiber gefällt, rückt die „Security“ an – die klischeemäßig ausschließlich in Hantelstudios rekrutiert wird.
Die muskelbepackten Kerle fackeln dann auch meistens nicht lange. Wo im normalen Spielbetrieb entweder ein Hausverbot ausgesprochen oder die Polizei informiert würde, herrscht in Hollywood-Casinos das Faustrecht – der Delinquent wird kräftig vermöbelt und meist in eine Seitengasse geworfen. Natürlich ohne rechtliche Folgen für irgendwen.
8. Der glückliche Neuling
Wurde er dann (meist von einem Film-Freund) vom Automaten gezerrt, folgt besagter Charakter – eine Münze, „Ding, Ding, Ding“ das Geld fließt nur so aus dem Automaten. Der Neuling ist steinreich.